Archiv für den Monat Oktober 2010

Mainstream, Israel und der deutsche Journalismus

Wer sich die Videoaufnahmen von den Geschehnissen in Silwan sorgfältig ansieht, wird feststellen, dass der Fahrer des Autos gebremst, gehupt und auszuweichen versucht hat, während zwei der Steine werfenden Jungen ohne jedes Zögern frontal auf seinen Wagen zuliefen (Screenshot oben). Mit anderen Worten: Der Mann am Steuer hatte keine andere Chance, als so zu handeln, wie er gehandelt hat – denn die Alternative wäre gewesen, anzuhalten und sich steinigen zu lassen. Doch noch etwas anderes an dem Video fällt auf, nämlich die erkleckliche Zahl an Menschen – sechs oder sieben – mit einer Kamera in der Hand. Laut der Publizistin Caroline Glick handelte es sich dabei um Fotografen europäischer Medien und des linken israelischen Webportals Walla; außerdem sei mindestens ein Angehöriger des arabischen Wadi Hilweh Information Center zugegen gewesen. Sie alle müsse man, so Glick, als „Mitglieder der Angreifertruppe“ betrachten: Den Kindern sei die Rolle zugekommen, den Fahrer durch die Steinwürfe dazu zu provozieren, sie zu verletzen oder gar zu töten; die Fotografen sollten diese Vorgänge dann aufnehmen und verbreiten. Glick spricht von einem inszenierten „Selbstmordprotest“ und weist auf die Ähnlichkeiten zum Vorgehen der „Free Gaza“-Flotte hin. Auch deren Ziel war es, möglichst schaurige Bilder zu erwirken, um Israel zu diskreditieren, zu dämonisieren und zu delegitimieren.

Auf den Internetseiten des Stern liest man dazu folgendes: „Es sind Bilder, die die ganze Verrohung des Lebens im Nahen Osten zeigen. In Jerusalem bewerfen junge, maskierte Palästinenser einen israelischen Autofahrer mit Steinen. Und was ist dessen Reaktion? Er fährt die Jungen, die augenscheinlich kaum älter als 14 Jahre sein dürften, über den Haufen. Der Mann im Auto bremst zwar ab, das Entsetzen bei den Einwohnern von Silwan, einem vor allem von Arabern bewohnten Stadtteil Jerusalems, ist dennoch groß. Anlass für die Attacke der jugendlichen Steinewerfer war anscheinend, dass die israelische Armee am Morgen zwei Hamas-Führer im Westjordanland getötet hatte. Und so dreht sich die Gewaltspirale im Nahen Osten immer weiter. In diesem Fall gab es glücklicherweise keine Toten. Beide angefahrenen Jungen mussten jedoch laut der israelischen Zeitung Haaretz ins Krankenhaus gebracht werden. Einer sei nur leicht verletzt worden, der andere habe Verletzungen an Brustkorb und Unterleib erlitten. Der Fahrer des Wagens erklärte dem Blatt zufolge, er sei mit seinem Sohn in dem Auto gewesen und habe aus Angst um ihrer beider Leben versucht, irgendwie zu entkommen und dabei ohne Absicht die Kinder angefahren.“

Ein anschauliches Beispiel dafür, wie sich hinter der vermeintlichen Äquidistanz gegenüber den Konflikt- respektive Kriegsparteien die Parteinahme für die palästinensische Seite und gegen Israel verbirgt. Phrasen wie „die Verrohung des Lebens im Nahen Osten“ und Begriffe wie die unvermeidliche „Gewaltspirale“ sollen vordergründig anzeigen, dass da unten irgendwie alle gleichermaßen Dreck am Stecken und außerdem eine gepflegte Vollmeise haben.

aus LizasWelt

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