Archiv des Autors: M. Breitenberger

Kerstin Kellermann oder hysterische Hausfrauen kaufen nicht bei Juden

Vor gut einer Woche veröffentlichte ich bei Fisch & Fleisch meinen Beitrag „Menschenfeinde“, in dem ich die Holocaustrelativierung, die antisemitische BDS-Bewegung der postkolonialen Linken und entsprechend Achille Mbembe kritisierte. Bereits 1989 hat der französische Philosoph Alain Finkielkraut die Akteure und das entsprechende Bündnis der Holocaustrelativierer herausragend in seinem Buch über den Barbie-Prozess „Die vergebliche Erinnerung – Vom Verbrechen gegen die Menschheit“ beschrieben und genau dieses Buch besprach ich in dem Zusammenhang in diesem Beitrag.

Die Reaktionen der dortigen „Israelkritiker“, zumeist hysterische „Damen“ und teilweise ehemalige Blogger aus dem antizionistischen „Freitag“ waren kaum überraschend, denn  in dieser Form artikulieren sich gewöhnlich nun einmal die Gegner Israels. Für viele „Israelkritiker“ ist der seit Jahrhunderten tobende Antisemitismus mit unzähligen Pogromen, in der Kulmination des Holocaust und den aktuellen Bedrohungen und Angriffen auf Israel ein vernachlässigbares Phänomen, die Ungeheuerlichkeit meines Beitrages bestand darin, dass ich diesen Antisemitismus thematisierte und kritisierte. So echauffierten sich empörte Verteidiger von Hamas, Hisbollah oder Mbembe: „In Wirklichkeit sind Sie eher ein ideologischer Wegbereiter der Gewalt gegen angebliche Antisemiten“ oder „Jede Zeile seiner Kommentare haucht Gewalt in die Welt, seine Dienerschaft bittet ihn auf den Knien, dies und das und jenes noch zu schreiben, damit die Gewalt-Züchtung bruchlos weitergehen kann!“  Ein Ex Freitagsblogger wies meine „Holocaustverabsolutierung“ empört zurück und entgegnete entrüstet und zugleich triumphierend die „letzten Völker Amazoniens werden vom Coraona-Virus dahingerafft.“ In den über 400 Kommentaren outeten sich die Mbembe-Avantgardisten und Kritiker meiner Antisemitismuskritik zwar ohne inhaltliches Argument, dafür mit emotionalen Kommentaren wie „israel ist ein schwerreicher und hochaggressiver staat“ oder „Manche saugen Morbidität auf wie ein Schwamm“ oder „Haben Sie sich schon einmal überlegt, sich in psychologische Behandlung zu begeben?“ oder  „Kann man die italienischen Orangen zum Judentum konvertieren?“ oder noch lustiger „Muss ich dann für die Orange eine Bar Mizwa abhalten, bevor sie geschält wird?“ Soweit so gut oder besser soweit so traurig, so abstoßend. Ansichten aus dem Jahre 2020 und nicht 1939.

Zu den außergewöhnlichsten Persönlichkeiten dieser Apologeten von BDS-Bewegung und Holocaustrelativierung gehört zweifellos eine gewisse Kerstin Kellermann, eine „Schriftstellerin“, die sich vermutlich, wie einst die Jeannie Billroth in dem Glauben wägt, eine Nachfolgerin und ja sogar eine Übertrefferin der Virginia Woolf zu sein. In Wirklichkeit ist die „Schriftstellerin“ ohne Talent, ohne Argument und ohne Fortune. In der Kellermannschen Doktrin ist es „gefährlich“ beziehungsweise „Paranoia“  oder ganz einfach nur „morbide“ den Krieg, den Antisemitismus der Feinde Israels zu benennen oder die Holocaustrelativierungen und die BDS-Bewegung zu kritisieren.

Wer den Antisemitismus kritisiert und auch noch Israel verteidigt, könnte laut Kellermannschen Weltbild einen „militanten Christen, der Jerusalem verteidigt hat“ zum Vorfahren haben.  Wer Israel gegen Antisemitismus verteidigt, so vermutet zumindest die Kellermann, könnte aber auch Vorfahren haben die „Juden ermordeten“, weil, so die Kellermann „deswegen so eine extrem starke Übertragung“ da ist.  Wer den mörderischen Judenhass unserer Zeit  beanstandet steht, laut dem Kellermannschen „Blutschutzgesetz“, auch im Verdacht eine „jüdische Urgroßtanten-Kousine“ in der Ahnenreihe zu haben.

Im Kellermannschen „Denksystem“ gibt es keine Widerrede, wer Antisemit ist bestimmt die Kellermann, Argumente braucht sie dafür nicht, denn schließlich ist sie die Kellermann. Ihre eigenartigen, argumentfreien Kommentare löscht die „Jeannie Billroth von Fisch & Fleisch“ meistens nach rund zwei Tagen.  Die kindliche Taktik der Kellermann geht so: Andersdenkende mit Beleidigungen und Unterstellungen zu provozieren, damit diese, so hofft die Kellermann, in derselben Weise zurückschießen. Wenige Tage danach löscht Frau Kellermann ihre eigenen „Kommentare“ um dann als Blockwart die Reaktionen ihrer Gesprächsgegner bei der F&F-Reaktion zu melden, scheinbar in der Hoffnung, dass diese dann für eine gewisse Zeit gesperrt werden oder den Thread des Blogs zu zerschießen. Der autoritäre Charakter von Israelgegnern ist kein unbekanntes Phänomen, er ist legendär.

Nachfolgend einige der von der Autorin selbst (bis auf Nr. 4) nach ein paar Tagen gelöschten „konstruktiven Gedanken“ unter dem Beitrag „Menschenfeinde“:

1) Kerstin Kellermann am 27. Mai 2010 um 10.46 Uhr: „Finkielkraut zu missbrauchen, um Ihre ganz eigenen Ansichten zu Mbembe zu veröffentlichen – finde ich höflich gesagt größenwahnsinnig. Sie haben kein Recht auf Paranoia, denn diese starke Art von Schaden, die so einen ständigen Missbrauch von berühmten Juden rechtfertigen würde – den spreche ich Ihnen ab. Was sind wohl Ihre wahren Motive dahinter, jüdische Menschen ständig zu benutzen, um Ihren eigenen Haß zu verbergen hinter „Rechtmässigkeit“? 😡“ Screenshot

2) Kerstin Kellermann am 27. Mai 2010 um 11.29 Uhr: „@Manfred Breitenberger Sie tun Ihr eigenes Ich künstlich extrem vergrößern. Das tut Ihnen bestimmt nicht gut im echten Leben. Was ist daran so schlimm, einfach nur der Manfred Brrrrrrrrr zu sein?! Vielleicht haben Sie ja irgendwo eine jüdische Urgroßtanten-Kousine, die eine fröhliche Tänzerin war?! Und weil Sie so beschäftigt sind, finden Sie die nicht.“ Screenshot

3) Kerstin Kellermann am 27. Mai 2010 11.42 Uhr: „@Manfred Breitenberger Ihre Art von Argumenten habe ich nicht, nein. Muss ja sehr tief sitzen bei Ihnen, das Muster. Man fragt sich bloß warum. Wäre doch spannend zu erfahren. Hat einer Ihrer Vorfahren Juden ermordet und deswegen so eine extrem starke Übertragung?“ Screenshot

4) Kerstin Kellermann am 27. Mai um 10.49 Uhr: „Es gibt im übrigen jüdische Wissenschaftler, die Mbembe verteidigen. …3sat.de/kultur/kulturzeit/der-fall-mbembe-100.html“ Screenshot

5) Kerstin Kellermann am 28. Mai 2010 um 10.34 Uhr: „@Manfred Breitenberger Eine sehr starke HERRische Ausstrahlung haben Sie, man merkt die kalte WUT dahinter – ich bleibe auch heute dabei: Sie benutzen jüdische Menschen für Ihre eigenen psychologischen Zwecke.“ Screenshot

6) Kerstin Kellermann am 28. Mai um 10.35 Uhr: „@Don Quijote Er hat einfach eine sehr missbräuchliche Art. Voll kalter Wut. Gefährlich 🙁“ Screenshot

7) Kerstin Kellermann am 28. Mai 2010 um 12.41 Uhr: „@Manfred Breitenberger Ihr „innerer Täter“ macht allen Ihren anderen „inneren Figuren“ aber so was von vor. Versteckt sich gerne hinter berühmten Juden – sehr gefährlich. Passen Sie auf sich auf. Das habe ich hier schon mal einer Frau geschrieben, die mich nur auslachte.“ Screenshot

8) Kerstin Kellermann am 28. Mai 12.42 um 12.42 Uhr: „@Manfred Breitenberger Manche saugen Morbidität auf wie ein Schwamm.“ Screenshot

9) Kerstin Kellermann am 29. Mai um 10.47 Uhr: „@Dieter Knoflach der Brrrrrrrrrr ist nicht jüdisch, hat er ja selber schon geschrieben. Und da er direkt neben den Massenmörder Barbie die jüdische Judith Butler collagiert und damit gleichgestellt hat, ist er wohl eine Art Verharmlsoer des Holocaust – aber wahrscheinlich nur, weil er glaubt, Israel verteidigen zu müssen, was er gar nicht muss. Die derzeitige israelische Regierung kann sich sehr wohl mit viel Militärhilfe selbst verteidigen – sogar überbordend.“ Screenshot

10) Kerstin Kellermann  am 29. Mai 2010 um 10.43 Uhr: „Heute morgen habe ich mir überlegt, ob einer Ihrer Vorfahren wohl ein militanter Christ war, der Jerusalem verteidigt hat? So eine Art Kreuzritter? Der Uropa Ihres Uropas oder so? Von irgendwoher muss diese starke Bollwerk-Übertragung ja kommen.“ Screenshot

Der Hass auf Israel von BDS-BefürworterInnen ist eine Obsession. Ohne jedes Argument, ohne Wissen um die Geschichte des Antisemitismus, die Geschichte Israels agitieren sie gegen den Judenstaat. Warum nur? Warum nicht Marokko, warum nicht Darfur, warum nicht der Iran? Warum ausgerechnet Israel? Der Antisemitismus ist eine politische Ideologie mit der sich „Judenkritiker“ seit Jahrhunderten ihre Welt erklären. Der Zionismus und mit ihm die Gründung Israels war und ist die Antwort auf die seit Jahrhunderten stattfindende Verfolgung der Juden. So richtet sich die heutige dominante Form des Antisemitismus gegen Israel als Staat. Antizionisten wollen sich mit dem Zionismus und der Gründung Israels nicht abfinden und darum forcieren Sie das „Gerücht über die Juden“, initiieren Boykottaufrufe gegen Waren aus Israel, verbreiten Lügen gegen Israel, vergleichen Israel mit dem Apartheidstaat Südafrika,  dämonisieren und delegitimieren Israel, indem sie zum Beispiel die Überlebenden der Shoah ausgerechnet mit Nazideutschland gleichsetzen oder den Holocaust durch das „viel größere Verbrechen“ des Rassismus relativieren.

Das antisemitische Weltbild richtet sich gegen alles was die moderne, aufgeklärte Welt kennzeichnet, Freiheit, Gleichheit, Urbanität, Rationalität, Emanzipation und Demokratie. Von daher verwundert es nicht wenn sich „Israelkritiker“ mit dem Islam und mit islamischen Terrorgruppen solidarisieren oder sie zumindest verharmlosen. Die Weltbilder des Islamismus, des Antiimperialismus, des Postkolonialismus treffen sich im Antisemitismus, mit der Leugnung oder Relativierung der Shoah oder der Relativierung der NS-Verbrechen, der Erinnerungsabwehr, der Täter-Opfer-Umkehr und den zahlreichen Varianten einer „jüdischen Weltverschwörung.“

Der Antisemitismus ist geprägt von Ressentiments, Faktenresistenz und blindem Hass. Antisemitismus ist also eine Verbindung aus Weltanschauung und Leidenschaft. Spätestens die  „Katastrophe“ von Entebbe, im Juni 1976, die Selektion von Juden entlang völkischer Linien zeigte, dass Bauchlinke nicht gegen antisemitische Ressentiments gefeit sind. Zwar mögen einzelne Äußerungen immer wieder als bloße „Fehler“ erklärt werden, die Quantität schlägt allerdings die Qualität. Die Äußerungen der überzeugtesten postkolonialen Antizionisten sind alles andere als Ausrutscher. „Die unkritische Identifikation mit den nationalen Befreiungsbewegungen muss zwangsläufig zur Unterscheidung von guten und schlechten Staaten, zur Verwechslung von sozialer Revolution mit nationaler Befreiung und schließlich zur Entdeckung guter Völker führen, die gegen das als „Imperialismus“ bezeichnete Böse kämpfen.“ (Thomas Haury) Das antiimperialistische, postkoloniale Weltbild macht keine Fehler, es ist der Fehler.

Veröffentlicht bereits bei Mission Impossible