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Wie soll ein Mensch das ertragen

Leserbrief aus konkret 12/2012

Auf Rainer Tramperts Konkret-Artikel „Freitags Gebete“ habe ich mit einem kurzen Leserbrief in der aktuellen Konkret (12/2012 Seite 7) auf den Antizionismus und das antisemitische System des „Freitags“ hingewiesen:

„Trampert schreibt zwar treffend über Augsteins verschwörungstheoretische Haltung gegen Israel, macht sich jedoch leider nicht die Arbeit, Augsteins »Projekt«, den »Freitag«, noch genauer unter die Lupe zu nehmen. Im antizionistischen »Freitag«, den Augstein 2008 übernommen hat, kommen ausschließlich Israel-Gegner vom Schlage Norman Paech, Mohssen Massarrat bis Felicia Langer zu Wort. Der »Ressortleiter Politik« des »Freitag«, Lutz Herden, bezeichnet Israel unter anderem in seinen Artikeln als »Paria-Staat«, vergleicht Israel mit dem »Apartheidstaat Südafrika« und behauptet, daß die israelische Armee den »isolierten und systematisch ausgehungerten Gaza-Streifen eingeäschert« habe.

Andererseits verharmlost ein Freitag-Autor, Matteo Fagotto, den mörderischen Terror der Hisbollah als Kunst: »Die Hisbollah feiert in einem Freiluftmuseum ihren Kampf gegen Israel in ästhetisierter Form. Auch sonst will die Organisation ihre politischen Ideen in Kultur verwandeln.«

In vielen Hunderten Artikeln (Online und Print) sowie Kommentaren in Augsteins »Online-Projekt« können aggressive Antizionisten ihre kruden Ansichten verbreiten, beispielhaft für diese Tendenz zwei »Freitags Gebete«:

»… Jeder weiß es: Israel hat den Palästinensern ihr Land genommen. Sie sollten sich dafür, nach 6o Jahren Unrecht, bei den Palästinensern entschuldigen und es als natürlich anerkennen, daß so etwas zu einer aggressiven Gegenwehr führt – gerade sie müssten es eigentlich verstehen. Es gibt keinen Grund, weniger von Israel zu verlangen….«

»Israel ist ein Staat, der systematisch Tausende von Menschen umbringt, obdachlos macht, Familien auseinanderreißt und bei Menschen, die nicht sterben, Traumata herbeiführt.«

Seit vielen Jahren wird unter der Verantwortung von Jakob Augstein im »Freitag« unermüdlich mit einer kaum glaublichen Einseitigkeit gegen Israel agitiert, der Judenstaat delegitimiert, gleichzeitig die Verbrechen und die Ideologie von Hamas, Hisbollah und Ahmadinedschad verharmlost oder gar gerechtfertigt. Eindeutiger Widerspruch gegen diese Ideologie wird von Augsteins Moderation weitgehend verhindert. Der antisemitische Antizionismus im »Freitag« hat nichts mit legitimer Kritik an Israel zu tun.“

Jakob Augstein lehnt sich in seinem Kampf gegen Israel nicht zurück. In seiner letzten Spiegel Online Kolumne „Gesetz der Rache“ bedient er jedes antisemitische Ressentiment.  Für Augstein ist „Gaza ein Gefängnis. Ein Lager“. Augstein meint „Israel brütet sich dort seine eigenen Gegner aus.“ Die islamistischen Mörder der Hamas, die ihre eigene Bevölkerung terrorisiert, die den Tod aller Juden fordert, die täglich alles versucht dies in die Tat umzusetzen stellt Augstein auf eine Stufe mit orthodoxen Juden in Israel. Augstein stellt in alter Tradition die Juden als rachsüchtiges Volk dar. Den Vergleich “Tel Aviv ist Berlin” lässt Augstein nicht zu, denn laut Augstein gibt es in „Israel Gegenden, da wird eine Frau als Hure beschimpft, wenn sie im Bus vorn bei den Männern sitzt.“ Dass in Berlin Juden verprügelt werden wenn sie eine Kippa tragen, dass es in Deutschland No-Go-Areas für Ausländer gibt, verdrängt Augstein. Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden. Das Gerücht die Juden handelten Auge um Auge, Zahn um Zahn verdankt sich der antijüdischen Bibelübersetzung durch Martin Luther. Der Hang geschwätzig Dinge zu verbreiten, die aus der Gerüchteküche aufgeschnappt wurden kennzeichnen auch den linken Antisemiten. Mit seinen antiisraelischen Spiegel-Kolumnen steht Augstein Seite an Seite mit der „Spiegel-Nahostexpertin“ Ulrike Putz im meinungsführenden Deutschlandmagazin.

Seit langer Zeit können in Augsteins „Freitag“ die aggressivsten Antizionisten mit eigenen vielfach kommentierten Anti-Israel-Blogs ihre Hetze gegen Juden, neben den Artikeln der hauseigenen Redakteure betreiben. Von den „zionistischen Schlächtern“, von der „viehischen Gewalttätigkeit“ der Israelis, vom „zionistischen Apartheidstaat“, vom „KZ Gaza“ wird im moderierten „Freitag“ untereinander sich begeisternd zustimmend halluziniert.

Die Union der deutschen Antisemiten bekennt sich, vermeintlich mit ehrbaren Absichten, zum ewigen Djihad gegen die Juden. Ist es der Lohn des Märtyrers, sind es die 72 Jungfrauen, ist es die Absicht der Hamas alle Juden zu vernichten, ist es der Tugendterror gegen die Palästinenser, ist es die reaktionäre Ideologie der Hamas welche die deutschen „Friedensfreunde“ so anzieht oder ist es ihr latenter Antisemitismus?

Der Antisemitismus auch wenn er sich Antizionismus nennt ist nicht ehrbar.

Die Grenzen der Aufklärung werden in diesen Tagen wieder deutlich.

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Erstveröffentlichung am 22.11.2012 in Mission Impossible